Pressemitteilung

EU unterstützt Finanzierung von Schulobstprogrammen mit 90 Millionen Euro im Jahr


Agrarkommissarin Fischer Boel stellt EU-Initiative in Kehl vor

Die Europäische Kommission hat heute vorgeschlagen, in der Europäischen Union ein Schulobstprogramm einzuführen und hierfür jährlich 90 Millionen Euro bereitzustellen. Diese Mittel sollen für den Ankauf von frischem Obst und Gemüse und dessen Verteilung an Schulen verwendet werden, ergänzt durch Mittel der am EU-Schulobstprogramm teilnehmenden Mitgliedstaaten. Die Inhalte des Kommissionsbeschlusses stellte Mariann Fischer Boel nach der entscheidenden Sitzung der Kommission zusammen mit Vertretern der 5 am Tag-Kampagne in der Falkenhausenschule in Kehl der Öffentlichkeit vor. Fischer Boel, die amtierende EU-Kommissarin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, macht sich schon seit längerem für  die Einführung von Schulobstprogrammen stark. Aus gutem Grund: Die Kinder in Europa sind immer häufiger übergewichtig, und sie verzehren im Durchschnitt deutlich weniger Obst und Gemüse als die WHO empfiehlt. Ein Schulobstprogramm soll dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche sich bereits in einem frühen Alter gesunde Essgewohnheiten aneignen. 

Kehl, 8. Juli 2008 (5at) – Wie schmeckt eigentlich gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse? Und wie lernen Kinder, regelmäßig zu Obst und Gemüse zu greifen? Durch reine Wissensvermittlung oder indem sie regelmäßig diese Früchte in die Hand nehmen, sie befühlen, an ihnen riechen, in sie hineinbeißen?

Aktuelle Erfahrungen belegen Erfolg von Schulobstprogrammen

Laufende Projekte in mehreren europäischen Ländern haben belegt, dass die Verteilung von Früchten in der Schule nachhaltig den Verzehr von Obst und Gemüse steigert. „Obst und Gemüse verteilen ist eine gute Basis. Aber Programme sind besonders erfolgreich, wenn Kinder auch die Möglichkeit haben, durch Spiele etwas über die Wichtigkeit von Obst und Gemüse zu lernen. Das zeigt uns die Erfahrung. Bei der Förderung von Schulobstprogrammen legen wir daher auf dieses spielerische Element besonderen Wert“, erläuterte Fischer Boel bei der Presseveranstaltung an der Falkenhausenschule in Kehl und weiter: „Jedes Land hat seine Besonderheiten. Die nationalen Programme sollen auf diese Besonderheiten eingehen. Wir werden aber in jedem Mitgliedstaat nach guten Ideen Ausschau halten, die wir auch in anderen Ländern nutzen können.“ Die Entscheidung der EU-Kommission muss im nächsten Schritt noch die Zustimmung der Mitgliedstaaten bekommen – in den Augen der EU-Kommissarin sollte das jedoch kein Hindernis darstellen. „Aktuelle Zahlen über Fehlernährung sind alarmierend. Schulobstprogramme sollen helfen, Kindern Obst und Gemüse schmackhaft zu machen. Unser Vorschlag zeigt, dass wir entschlossen sind, konkrete Maßnahmen zur Bekämpfung der Fettleibigkeit zu ergreifen“, so Fischer Boel weiter.

5 am Tag: Schulfruchtprogramme wichtiger Baustein für ausgewogene Ernährung

Die 5 am Tag-Kampagne, die sich in Deutschland für die Einführung eines Schulfruchtprogramms stark macht, hat bereits Konzepte für ein entsprechendes deutsches Programm ausgearbeitet: Neben Obst sollte auch Gemüse verteilt werden, so dass die Kinder eine möglichst große Bandbreite von Produkten kennen lernen. Über begleitende Unterrichtseinheiten sollen die Schülerinnen und Schüler mehr über Obst und Gemüse im Kontext einer ausgewogenen Ernährung erfahren. „Wir sind schon seit Jahren an Grundschulen aktiv. Unsere Erfahrung: Die Schulleitungen, die Lehrer und die Kinder sind mit Feuereifer bei der Sache und machen gerne mit. Wir sind daher sicher, dass Schulfruchtprogramme bei allen Beteiligten auf eine überwältigende Resonanz stoßen. Wichtiger noch: Sie werden dazu beitragen, dass Obst und Gemüse unverzichtbarer Teil der Ernährungserziehung werden. Nur durch bessere Obst- und Gemüseangebote an Schulen können wir auf Dauer das Ernährungsverhalten der Kinder nachhaltig verändern, und das ist angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder dringend geboten“, erläutert Dr. Helmut Oberritter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und Vorstandsmitglied des 5 am Tag e.V.

Wie bunt und lecker ein Schulfruchtprogramm in der Praxis aussehen könnte, verdeutlichte bei der Veranstaltung in Kehl allein schon die Vielfalt möglicher Schulfrüchte. Von Nektarinen über Trauben bis hin zu Minigurken war hier alles zu finden. Zusammen mit der Ernährungsberaterin Bettina Dürr bereiteten die Schulkinder leckere Obst- und Gemüsesnacks zu und lernten dabei, dass der Verzehr von fünf Portionen Obst und Gemüse täglich nicht nur gesund ist, sondern auch Spaß macht und schmeckt. „Natürlich kann im Rahmen eines Schulfruchtprogramms ein solches Sortiment nicht an jedem Tag angeboten werden. Aber die Schulen sollten die Möglichkeit nutzen, sich von ihren Lieferanten aus einer Liste möglicher Produkte tageweise unterschiedliches Obst und Gemüse anliefern zu lassen“, so Oberritter. Auch Fischer Boel unterstützt den Gedanken der Vielfalt: „Zu viele unserer Kinder essen zu selten Obst und Gemüse und wissen nicht, wie lecker dies sein kann. Kinder müssen ausprobieren, welches Obst und Gemüse ihnen schmeckt. Nur so können wir sie an diese Produkte heranführen und langfristig für gesunde Ernährung begeistern.“

Für die Leiterin der Falkenhausenschule, Imogen Remmert, ist es besonders wichtig, dass im Rahmen der Schulverpflegung viel Obst und Gemüse angeboten wird: „Kinder müssen nicht nur verstehen, sondern auch durch entsprechende Angebote in ihrer Ernährung gelenkt werden. Was ich einmal gehört habe, vergesse ich viel schneller als etwas, was tagtäglich für mich erfahrbar ist. Nur dann kann es gelingen, langfristig das Ernährungsverhalten hin zu einer ausgewogenen gesunden Ernährung zu verändern. Und mit einem regelmäßigen Obst- und Gemüseverzehr ist schon viel erreicht hinsichtlich der Prävention von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“