Pressemitteilung

Für den Körper das Beste: Obst und Gemüse statt Vitaminpillen


In einem Punkt sind sich alle einig, die Wissenschaftler, die Ernährungsberater und – wenn man ihren Worten Glauben schenken darf – die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln: Wer sich ausgewogen mit einem hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel ernährt, braucht keine zusätzlichen Vitamine und Mineralstoffe in Tablettenform. Doch wenn es so einfach ist, warum funktioniert es nicht? Liegt es an der Bequemlichkeit des Menschen? Die 5 am Tag-Kampagne, die sich für eine gemüse- und obstreiche Ernährung stark macht, sieht eine der Ursachen in einem unzureichenden Angebot, zum Beispiel in der Berufswelt oder in Schulen.

Die Vielfältigkeit der Lebensstile und veränderte Anforderungen in Schule und Arbeitswelt wirken sich auf die Ernährungsgewohnheiten aus: Feste „Mahlzeiten“  sind passé, stattdessen versorgen sich viele Menschen unterwegs mit Getränken, Snacks oder einem warmen Gericht. Ist dann kein verzehrsfertig zubereitetes Obst oder Gemüse im Angebot, fallen diese für den Körper so wichtigen Lebensmittel schnell unter den Tisch und werden durch Vitaminsupplemente ersetzt. „Essen dient immer mehr nur der schnellen Sättigung. Dabei geht der Genuss ebenso verloren wie die Vielfalt der Nährstoffe, die wir zu uns nehmen. Erstrebenswert sind attraktive, ausgewogene Speiseangebote, insbesondere im Außer-Haus-Verzehr. „Die Umsetzung einer vollwertigen, gemüse- und obstreichen Ernährung bringt nicht nur Genuss, sondern hält auch fit und gesund. Nahrungsergänzungsmittel sind dann nicht nötig, zumal auch die Nationale Verzehrsstudie II gezeigt hat, dass es trotz nicht immer optimalen Ernährungsverhaltens angesichts einer guten Nährstoffversorgung der Bevölkerung keine Notwendigkeit gibt, zu Supplementen zu greifen“, erläutert Dr. Helmut Oberritter, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Auch aus dem Bereich der Medizin gibt es kritische Stimmen zu Nahrungsergänzungsmitteln. So wiesen zum Beispiel bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen im September 2010 Experten darauf hin, dass die Inhaltsstoffe von Nahrungsergänzungsmitteln Leberschäden bis hin zum Leberversagen verursachen können.1)

Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln fraglich

Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Faktor für den Erhalt der Gesundheit. Gerade pflanzlichen Produkten kommt hier ein wichtiger Stellenwert zu. Das hat unter anderem die EPIC-Studie2) mit mehr als einer halben Million Teilnehmern nachdrücklich belegt. „Die EPIC-Studie belegt, dass eine gesundheitsfördernde Lebensweise das Risiko für chronische Erkrankungen um bis zu 78 Prozent verringern kann. Risiko senkend wirken sich vier Faktoren aus: Niemals geraucht zu haben, ein Körpergewicht mit einem Body Mass Index (BMI) von unter 30 zu haben, mindestens dreieinhalb Stunden pro Woche körperlich aktiv zu sein und sich gesund zu ernähren. Und dies bedeutet vergleichsweise viel Obst, Gemüse und Vollkornbrot, aber wenig Fleisch“, führt Professor Dr. Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam aus. Ganz anders beurteilen Experten die Studienlage über die Wirksamkeit von Vitaminsupplementen: „Über die Wirkung von Nahrungsergänzungsmitteln gibt es bislang keine Studien mit vergleichbarer protektiver Wirkung wie für Gemüse und Obst. Ergebnisse aus dem Reagenzglas können nicht auf den menschlichen Körper übertragen werden, da hierbei nur Einzelsubstanzen und nicht die Komplexität gering verarbeiteter Lebensmittel berücksichtigt werden“, erläutert Professor Dr. Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe.

Obst und Gemüse wichtig für moderne Ernährung

Umso wichtiger ist es vielen Wissenschaftlern inzwischen, dass die Erkenntnisse über Ernährung praktisch umgesetzt werden. „Immerhin 20 Prozent der wöchentlichen Nahrungsaufnahme erfolgt in Kantinen, Mensen und Cafeterien. Hier haben wir die Möglichkeit, durch die Qualitätsstandards der DGE und Zertifizierungen Maßstäbe zu setzen, und den Menschen wohltuendes, gesundheitsförderndes Essen anzubieten“, so Oberritter. Dieser Argumentation schließt sich Professor Dr. Anja Kroke von der Hochschule Fulda an, die lange Jahre am Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) in Dortmund tätig war: „Schon im frühen Kindesalter werden die Weichen für die künftige Ernährungsweise gestellt. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Essensangebote in Kindergärten, Kindertagesstätten und Schulen an den wissenschaftlich begründeten Empfehlungen von Institutionen wie der DGE oder dem FKE orientieren. Vielfältige Speisenangebote, die zum Ausprobieren verlocken, sind wichtig, damit Kinder beim Essen mit allen Sinnen dabei sind und ein Gespür für Qualität und Geschmack bekommen.“

Nach wie vor Bestand hat die Ernährungsregel „5 am Tag“. Helmuth M. Huss, Sprecher des Vorstands des 5 am Tag e.V., hat hierzu eine ganz klare Meinung: „650 Gramm Obst und Gemüse, also gerade einmal 5 Handvoll am Tag, das sollte jedem seine Gesundheit wert sein. Zudem können natürliche Lebensmittel nicht überdosiert werden. Obst und Gemüse sind überwiegend kalorienarm und sättigen gut, somit tut man auch der Figur etwas Gutes. Von einer Vitamintablette ist meines Wissens noch niemand satt geworden."

 

Anmerkungen für die Redaktion:

(1) E. Elinav et al:.Association between consumption of Herbalife nutritional supplements and acute hepatotoxicity.J Hepatol. 2007 Oct; 47(4):514-20. Epub 2007 Jul 26.

(2) Die EPIC-Studie ist eine prospektive, 1992 begonnene Studie, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes untersucht. An der EPIC-Studie sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit 519.000 Studienteilnehmern beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie mit mehr als 27.500 Studienteilnehmern/innen im Erwachsenenalter leitet Heiner Boeing vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer/innen zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien.