Pressemitteilung

Ist das Glas halb voll oder halb leer?


5 am Tag setzt auf Programme an Schulen und Arbeitsplätzen zur Steigerung des Verzehrs von Obst und Gemüse in Deutschland.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt 5 Portionen Obst und Gemüse täglich zu essen. Doch dieses Ziel erreichen bisher nur Wenige. Das belegt die kürzlich veröffentlichte „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“ (DEGS) des Robert Koch-Instituts. Darin hatte das Bundesinstitut unter anderem überprüft, wie hoch der aktuelle Obst- und Gemüsekonsum tatsächlich ist. Das Ergebnis: Frauen konsumieren 3,1 Portionen Obst und Gemüse, Männer 2,4. Die empfohlenen 5 Portionen schaffen jedoch nur 15 Prozent der Frauen und sieben Prozent der Männer.

Das scheint zunächst nicht viel. Doch die gute Nachricht für alle Ernährungsexperten: Immerhin 39 Prozent der Frauen und 25 Prozent der Männer konsumieren mindestens 3 Portionen Obst und Gemüse pro Tag. Das Beste: Laut Studie hat der Anteil der Männer und Frauen, die mehrmals täglich Obst verzehren, zugenommen. Doch trotz des wachsenden Anteils bleibt noch Arbeit für die Träger der Kampagne 5 am Tag - den 5 am Tag Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Fördermittel der Europäischen Union finanziert.

Mehr als Aufklärungsarbeit

Die Botschaft, mit der 5 am Tag die Deutschen zu mehr Obst und Gemüse bewegen möchte, ist klar und unmissverständlich: „Einfach gut leben“. Doch so „einfach“ scheint es nicht zu sein, eine gute Entscheidung für eine ausgewogene Ernährung zu treffen. Wie lassen sich also das Wissen um das gesundheitsfördernde Obst und Gemüse und das tatsächliche Konsumverhalten in Einklang bringen?

Sabine Lauxen, Sprecherin des Vorstands des 5 am Tag e. V.: „Wir im Vorstand von 5 am Tag sind uns einig, dass Informationen über den gesundheitlichen Wert von Obst und Gemüse wichtig sind. Unsere wissenschaftlich abgesicherte Empfehlung, „5 Portionen Obst und Gemüse am Tag“ zu verzehren, trägt dazu bei, die Gesundheit zu erhalten“.

So senkt ein hoher Gemüse- und Obstverzehr in der Bevölkerung das Risiko für Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Die Beweislage dafür ist überzeugend, so die DGE in einer Stellungnahme. Die nach umfassender Recherche und Analyse bewertete Datenlage zeigt auch für eine Reihe weiterer Krankheiten wie Krebs und Demenz ein präventives Potenzial eines erhöhten Verzehrs von Gemüse und Obst.

Das heißt: Je mehr Gemüse und Obst gegessen wird, desto geringer ist das Risiko für das Eintreten von bestimmten Krankheiten. „Würden wir den Schwerpunkt unserer Aktivitäten jedoch nur auf die Aufklärungsarbeit und Verbreitung dieser Erkenntnisse legen, würden wir Eulen nach Athen tragen, denn die Mehrheit der Deutschen assoziiert bereits „gesunde“ Ernährung mit Obst und Gemüse“, so Lauxen.

Erreichbarkeit und Verfügbarkeit

Als wirksamer haben sich in den vergangenen Jahren die Verbesserung des Obst- und Gemüseangebotes insbesondere am Arbeitsplatz und in Schulen erwiesen, ebenso wie eine ganzjährig breit gefächerte, attraktive Präsentation am Verkaufsort. Doch um umfassende Veränderungen herbeizuführen, bedarf es auch eines langen Atems. Eine flächendeckende Umsetzung des Schulobstprogramms in Deutschland scheiterte beispielsweise nicht nur an uneinheitlichen und zum Teil fehlenden Regelungen, sondern auch an der Bereitstellung der Haushaltsmittel, die für die Kofinanzierung zwingend vorgesehen waren. Erfolgreich wurde das Schulobstprogramm immerhin in sieben der 16 Bundesländer etabliert.

Weiteres Ergebnis der laufenden Kampagne ist, dass sich die Voraussetzungen für eine Änderung der Verhältnisse am Arbeitsplatz und in Schulen stark unterscheiden. Schulen sorgen sich um die gesunde Ernährung ihrer Schüler. Die Programme scheitern jedoch häufig am Willen zur Finanzierung und an Bedenken bezüglich der störungsfreien Einbindung in den Schulalltag. In Unternehmen stehen hingegen Programme wie Suchtprävention sowie Rückenschule oder Stressabbau auf der Prioritätenliste deutlich über gesunder Ernährung. Dementsprechend weniger Mittel fließen in die Ernährungsaufklärung oder die Betriebsverpflegung. Zudem werden dort eingesetzte Mittel meist eher im Sinne der Verhaltensprävention als für die von 5 am Tag bevorzugten Verhältnisänderungen eingesetzt.

Viele Einflussfaktoren

Auch familiäre oder von der Gesellschaft ausgehende Impulse, persönliche Einstellungen, Überzeugungen und empfundene Barrieren haben einen Einfluss auf das Ernährungsverhalten. Die nur schwer steuerbare Änderung des Verbrauchsverhaltens bleibt also eine große Herausforderung. Doch vergleicht man die Werbeaufwendungen der Obst- und Gemüsebranche mit denen der Markenartikelhersteller von „gesüßten Snacks“ wird klar: Hier kämpft David gegen Goliath. Umso wichtiger ist die kontinuierliche Arbeit der Ernährungsexperten von 5 am Tag. Denn eines ist unbestritten: Die Erhöhung des Obst- und Gemüseverzehrs auf 5 Portionen am Tag ist wichtig. Schließlich gehört die Empfehlung, reichlich Obst und Gemüse zu genießen, seit über 55 Jahren zu den zehn Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

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