Kein Grund zur Sorge: Fruchtzucker

Laktosefrei, glutenfrei & Co. sind beliebte Formeln, mit denen wir unserer Gesundheit vermeintlich etwas Gutes tun. Immerhin werden z. B. als laktosefrei gekennzeichnete Produkte von jedem 10. Verbraucher gekauft. Auch wenn sie beispielsweise ohnehin von Natur aus gar keine Laktose enthalten. Aber wie ist das eigentlich mit Fruktose?

Während nur ca. 3 % der Menschen eine echte Nahrungsmittelallergie haben, bei der das Immunsystem eigentlich harmlose Stoffe in der Nahrung als „gefährlich“ ansieht und die diese Stoffe tatsächlich meiden müssen, empfinden vergleichsweise viele Menschen Verdauungsprobleme aufgrund von Nahrungsmittel-Intoleranzen. Dabei funktioniert ein Enzym oder der Transportmechanismus im Darm nicht richtig. Das Problem: Die Symptome sind unspezifisch und können auf verschiedenste Ursachen hinweisen, auf eine Unverträglichkeit gegenüber Milchzucker, entzündliche Darmkrankheiten, Reizdarm – oder schlicht auf eine Ernährung mit zu vielen blähenden Lebensmitteln wie Zwiebeln, Hülsenfrüchten und einem Übermaß an Vollkornprodukten. Es kann aber auch eine Fruchtzucker-Unverträglichkeit dahinterstecken.

Das Problem mit dem Fruchtzucker: Die Menge an Fruktose, die vom Körper befördert werden kann, ist begrenzt, der Körper kann ein Zuviel nicht verarbeiten und reagiert mit Blähungen oder Durchfall. Wie viel Fruktose ein Mensch verträgt, ist individuell sehr verschieden – wie auch die Menge an Fruktose, die der Körper bekommt.

Denn Fruchtzucker findet sich nicht nur in Obst, Säften oder Kompott, sondern zunehmend in Erfrischungsgetränken, in Back- und Süßwaren, Milcherzeugnissen, Speiseeis oder in Müsli(riegeln). Dadurch nehmen Menschen heutzutage mehr Fruktose mit dem Essen auf als früher. Etliche verarbeitete Lebensmittel enthalten außerdem das Süßungsmittel Sorbit, das die Aufnahme der Fruktose verschlechtert. Für alle Betroffenen lohnt sich also immer ein Blick auf die Liste der Inhaltsstoffe.

Aber deshalb Obst gänzlich vom Speiseplan streichen? Das ist nicht empfehlenswert, damit auf Dauer nicht wichtige Nährstoffe fehlen. Und in 99% aller Fälle ist es auch nicht nötig, denn mit einer etwas veränderten Ernährung ist diese Unverträglichkeit gut in Schach zu halten. Hier unsere Tipps:

  • Die Beschwerden über einen gewissen Zeitraum beobachten und das Auftreten der Symptome schriftlich festhalten.
  • Ein sogenannter Wasserstoff-Atemtest beim Arzt, kombiniert mit einem Ernährungs- und Symptomprotokoll sorgt für eine fundierte Diagnose.
  • Durch eine abgestimmte Ernährungsumstellung in mehreren Stufen kann die Verträglichkeit von Fruchtzucker erhöht werden. Früchte werden dabei entsprechend ihrer Verträglichkeit ausgewählt. Obst ist außerdem bekömmlicher, wenn es zu oder nach einer Mahlzeit oder zusammen mit Glukose (Traubenzucker oder Zucker) verzehrt wird.
  • Und: Wer aufgrund der Unverträglichkeit weniger Obst essen kann, greift einfach häufiger zu Gemüse. Denn: Gemüse ist fruchtzuckerarm.

Zum Schluss ein kleiner Literaturtipp: „Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption“ der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Zu bestellen unter https://www.dge-medienservice.de/essen-und-trinken-bei-fructosemalabsorption.html.

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